In
dieser Situation, als der Krieg in Europa fast gewonnen war, erhielt die 4th US Armored
Division einen seltsamen Befehl vom XIIth US Corps. Es
sollte ein
Kampfverband zusammengestellt werden, der
Kriegsgefangene in einem Lager
bei Hammelburg, ungefähr 80 km hinter den
feindlichen Linen, befreien sollte. Das sogenannte "Unternehmen
Hammelburg war eine geheime und umstrittene Operation, die während des
laufenden Gefechts geplant und durchgeführt wurde. Den Befehl hierzu gab Patton
persönlich, Captain Abraham J. Baum führte
die Mission im Zeitraum 26 - 28.
März 1945.Captain
Baum hatte den Auftrag durch die deutschen Linien zu durchbrechen und
US-Kriegsgefangene im Lager OFLAG
XIII-B, in der Nähe von Hammelburg zu befreien. Offiziell war es
eine Befreiungsaktion, aber in Wahrheit sollte Patton´s Schwiegersohn, LtC John K Waters, der seit seiner Gefangennahme 1943 am Kasserine Pass
in deutscher Gefangenschaft war, befreit werden.
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OFLAG
XIII-B war ein großes Kriegsgefangenenlager für
Offiziere, daß zunächst mit Serben belegt war. Im Januar 1945, nach der
Ardennenoffensive, wurde das Lager rasch in zwei Teilbereich abgetrennt.
Einer für serbische, der andere für amerikanische Offiziere. Die Unterbringung der
Kriegsgefangenen erfolgte in soliden Steingebäuden. Die ungefähre
Belegungsstärke betrug 3.000 Serben und 1.500 Amerikaner. Neben dem
Offizierlager gab es noch ein weiteres Lager - STALAG
XIII-C. Dies war ein großes Kriegsgefangenenlager für Unteroffiziere
und Mannschaften. Es bestand aus drei Teilbereichen, einem für britische
und Commonwealth Soldaten, einem für amerikanische Soldaten und einem für
sowjetische Soldaten. Das Lager befand sich in der Nähe vom Lager
Hammelburg, an der Straße zum Truppenübungsplatz. Die Belegungsstärke
lag bei ungefähr 10.000 Soldaten, von denen eine große Anzahl in
sogenannten Arbeitskommandos in den umliegenden Ortschaften
arbeitete.
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Als
die Sowjet Armee im Winter 1944 ihren Angriff nach Westen auf die
Reichsgrenzen fortsetzte, wurde das Kriegsgefangenenlager OFLAG
64 in Schubin (Alt-Bergund) am 21. Januar 1945 geräumt. Im kalten Winter marschierten 1.290 US
Kriegsgefangene in Richtung des Reiches, ihr Ziel war Hammelburg. Unter
den Gefangenen befand sich John K. Waters, der Ehemann von Beatrice Patton
- General Patton´s Tochter. Colonel Paul Goode war der rangälteste
amerikanische Offizier des Lagers. Er erstellte eine Namensliste der
Kriegsgefangenen des Lager für das Internationale Rote Kreuz zusammen. Diese Liste
half dem US-Nachrichtendienst festzustellen, wo sich die gefangenen
Offiziere befanden. Nachdem sie in 7 Wochen fast 550
km marschiert
waren - den größten Teil zu Fuß, erreichten die Männer am 9. März
1945 das Lager Hammelburg im Bahntransport. Nachdem die Kriegsgefangenen
aus Schubin im OFLAG XIII-B angekommen waren, stieg die Zahl der
Kriegsgefangenen auf über 1.500 Amerikaner an. Die Lebensbedingungen im
Lager waren für die Gefangenen katastrophal.
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Am
26. März 1945 stellte LtCol
Creighton Abrams,
der Kommandeur des Combat Commands B - 4th US Armored
Division, einen speziellen Kampfverband zusammen. Dieser bestand aus einer
Kompanie mittlerer Panzer
(M4 Sherman) und einem
Zug leichter Panzer
(M5A1 STUART) vom 37th Tank Battalion,
sowie einer
Kompanie Armored
Infantry (M3 Halbkettenfahrzeug), Kommando- und Versorgungsteile,
einem Aufklärungszug (Jeeps)
und einem Sturmgeschützzug
(M4A3
105 mm) vom 10th Armored Infantry Battalion. Insgesamt betrug die
Kampfstärke 314 Soldaten und 57
Fahrzeuge. Captain Abraham Baum wurde ausgewählt, das Unternehmen zu führen. Der
Beginn war auf 21:00 Uhr des selben Tages festgelegt, nach einer Artillerievorbereitung
auf dei Ortschaft Schweinheim. General Patton hatte seinen Adjutanten, Major Alexander
Stiller, mitgeschickt, um sicher zu gehen, daß LtCol Waters
identifiziert und zurückgebracht werden konnte. Niemand im Kampfverband
ahnte bis dato etwas davon.
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Captain
Abraham J. Baum (Foto von 1948) |
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Am
Abend der 26. März 1945 wartete die Task Force Baum
hinter einem Hügel im amerikanischen
Brückenkopf östlich des Mains und südlich von Aschaffenburg. Zwei
Kompanien mit Panzern und Infanterie sollten eine Bresche in die die
deutsche Frontlinie bei Schweinheim
schlagen. Für diesen Angriff waren 30 Minuten vorgesehen, doch man stieß
auf heftigen Widerstand und verlor zwei Panzer. Es dauerte Stunden, bis
Baum´s Kampfverband in den frühen Morgenstunden aufbrechen konnte und
endlich durch die deutschen Linien
gelangte. Der Kampfverband kam auf der Reichsstraße
26 durch den Spessart gut voran. Sie durchquerten Lohr und konnten
anschließend einige deutsch Züge zerstören. Baum ahnte nicht, daß die
Gegend der Aufmarschraum für eine deutsche
Division war. Um ca. 08:00 Uhr erreichte die Kolonne Gemünden. Die
Stadt war tags zuvor bombardiert
worden und hatte keine Telefonverbindungen mehr, keine Warnmeldungen kamen
durch. Die deutschen Truppen wurden von der Ankunft der Amerikaner
überrascht. Trotzdem trafen sie auf heftigen Widerstand von einer
Kompanie deutscher Pioniere. Eine Brücke wurde gesprengt und die Task
Force Baum verlor drei Panzer und einen Zug Infanterie, die von den
Deutschen gefangen genommen wurden.
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Task
Force Baum trifft auf hartnäckigen Widerstand in Gemünden |
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Task Force Baum
zog sich zurück und mußte eine andere
Route finden. Captain Baum forderte über Funk Luftunterstützung
an.
Sie fuhren in nördlicher Richtung weiter und fanden bei Burgsinn eine
weitere Brücke. Unterwegs griffen sie Deutsche
auf, die ihnen den Weg in Richtung Hammelburg zeigen mußten. Im
weiteren befreiten sie 200 russische Kriegsgefangene. Um ca. 14:00 Uhr
erreichten sie wieder die Reichsstraße die nach Hammelburg führte. Der
Kampfverband hing mittlerweile 6 Stunden dem Zeitplan hinterher.
Zwischen Burgsinn und Gräfendorf
wurde die Kolonne von einem deutschen Aufklärungsflugzeug
entdeckt. Der Pilot meldete den Standort und die Stärke der Task Force
Baum, wodurch die Deutschen Gegenmaßnahmen einleiten konnten.
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Sherman
Panzer auf der Reichsstraße 27 nach Hammelburg |
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Bevor
sie Hammelburg
erreichten, geriet die Task Force Baum in einen deutschen Hinterhalt. Die
Deutschen hatten Panzerjäger vom Typ Hetzer
herangeführt, welche die amerikanischen Panzer nun erwarteten. Im
nachfolgenden Panzergefecht im Saale-Tal verlor Captain Baum 4
Halbkettenfahrzeuge und drei Jeeps. Unter dem Feuerschutz der Sherman
Panzer fuhr der Rest des Kampfverbandes den Hügel zum Lager
Hammelburg hinauf. Um ca. 16:00 Uhr erreichte der Kampfverband das
Hochplateau und stoppte in einiger Entfernung zum Lager. Einige der
deutschen Wachen begannen zu schießen. Daraufhin wurde der serbische
Lagerteil unter Beschuß genommen, weil man die serbischen Offiziere in
ihren grauen Uniformen für
Deutsche hielt. LtCol Waters und drei Mann, einschließlich eines
deutschen Offiziers, gingen freiwillig zum Lager hinaus, um die Amerikaner
auf ihren Irrtum aufmerksam zu machen. Während sie sich der Kolonne
näherten, schoß ein deutscher Soldat auf Waters und verletzte ihn im
Unterleib, weil er dachte sie wollten das Lager übergeben. Waters wurde
ins Lager zurück gebracht und im Lagerhospital
von einem serbischen Arzt versorgt.
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US
Panzer zerstört den Zaun vom OFLAG XIII-B (14th US Armd Div) |
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Mit
30 % Verlusten an Männern und Fahrzeugen, hatte die Task Force Baum ihr
Ziel erreicht. Die befreiten Kriegsgefangenen kamen jubelnd aus dem Lager
gerannt und begrüßten ihre Befreier. Captain Baum erkannte sofort das im
Lager viel mehr als die 300 erwarteten Offiziere waren, die man
ursprünglich plante zu befreien. Er diskutierte die Lage mit Colonel
Goode und sagte ihm, daß er nicht alle Kriegsgefangenen mit zurück
nehmen könne. Die anderen konnten wählen zwischen: sich auf eigene Faust
durchschlagen oder warten bis die endgültige Befreiung käme.
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Nach
einer längeren Pause trat die Task Force Baum um ca. 20:00 Uhr den
Rückmarsch an. Die Deutschen hatten inzwischen das Gebiet
eingekreist. Der Kampfverband bewegte sich zunächst in
südwestlicher Richtung, nach ein paar Kilometern entdeckte man eine
deutsche Panzersperre. Daraufhin drehte Baum nach Norden ab und
entdeckten nach einer Weile eine weiter deutsche Panzersperre. Der
einzig verbleibende Weg führte nun nach Westen. Captain Baum erkannte
nicht, daß sie sich in Mitten
eines deutschen Truppenübungsplatzes mit Schießbahnen befanden.
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In
der Nähe von Hessdorf erreichten Baum die Reichsstraße und bog nach
Norden ab, in der Hoffnung wieder Anschluß an die 4th US Armored Division
zu finden. In den nächsten Ortschaft - Höllrich, fuhr die Kolonne in einen deutschen
Hinterhalt. Der erste Panzer wurde von einer deutschen
Panzerfaust getroffen. Die Deutschen fuhren diesen Panzer in einen
Garten und setzten ihn nun gegen die folgenden amerikanischen Panzer ein.
Drei weitere amerikanische Sherman Panzer wurden
vernichtet.
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Nachdem
der Rest
der Task Force Baum in den frühen Morgenstunden eine Lichtung bei der
Höhe 427 erreicht hatte, gruppierte sie erneut um. Captain Baum ahnte
nicht, daß sich auf der Kuppe des Berges ein deutscher
Beobachtungsposten befand, der Baum´s Bewegungen den ganzen Tag gemeldet
hatte. Einige der Halbkettenfahrzeuge wurden enttankt, um Treibstoff zu
gewinnen. Mit gerade genug Treibstoff für den Rückmarsch, wartete
Captain Baum den Tagesanbruch ab, um bei guter Sicht zurück marschieren
zu können. Captain Baum sprach mit Colonel Goode, daß der Rückmarsch
mit Kampf verbunden sei und daß viele Kriegsgefangene getötet werden
könnten. Colonel Goode sah den Zustand seiner Männer. Sie waren nicht
mehr in der Lage, sich zu den amerikanischen Linien durchzuschlagen. Er
riet ihnen, daß die Maße der gehfähigen Verwundeten mit ihm ins Lager
zurück marschieren sollte. Colonel Goode entschied, daß der Rest des
Kampfverbandes nicht durch sie behindert werden sollte und so begannen sie
unter einer weißen Fahne ins Lager zurück zu marschieren.
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Höhe
427 - Reussenberg |
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Baum
gab den Marschbefehl kurz nach Sonnenaufgang des 28. März 1945. Als die
Kolonne gerade anrollte, erhielten sie Beschuß von allen Seiten.
Während der Nacht hatten die Deutschen Truppen in den Bereich Hammelbug
verlegt. Am Morgen traf Major
Walter Eggemann ein, der das Kommando über den Gegenangriff
übernahm. Während sich Baum´s Männer ausruhten, hatten die Deutschen
in der Nacht Truppen herangeführt. Um ca. 09:00 Uhr eröffneten sie das
Feuer mit Panzerjägern und Granatwerfen auf das erste Zeichen einer
Bewegung. Captain Baum wußte daß es kein Entkommen mehr gab und befahl,
daß jeder für sich selbst entkommen sollte. Das Gefecht dauerte
ungefähr 20 Minuten, bevor die Überlebenden, denen die Flucht in die
Wälder nicht gelungen war, von den Deutschen herausgeholt wurden.
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Captain
Baum konnte entkommen, wurde aber kurze Zeit später von den Deutschen
gefangen genommen. Er wurde dabei ins Bein geschossen als er sich zur
Wehr setzte. Im Lager Hospital
traf er mit LtCol Waters zusammen. Hier warteten sie ab, bis das Lager
am 5. April 1945 von
der 14th US Armored Division befreit wurde - nur 10 Tage nach dem
mißglückten Befreiungsversuch der Task Force Baum. Ironischer Weise
sorgten der mißglückte Befreiungsversuch und die Verletzung dafür,
daß John K. Waters früher befreit wurde. Andernfalls hätte man ihn
auch auf den Marsch in ein
anders Lager tiefer in Deutschland mit den anderen Gefangenen geschickt.
Nachdem Captain Baum zur 4th US Armored Division zurückgekehrt war,
wurde ihm am 10. April 1945 das Distinguished Service Cross
verliehen worden.
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Das
Unternehmen hatte in einer Katastrophe geendet; von den 314
Offizieren und Mannschaften wurden 26
getötet. Nur wenigen gelang es sich zu den amerikanischen Linien
durchzuschlagen, der Rest wanderte in deutsche Gefangenschaft. Die 57
Panzer, Halbkettenfahrzeuge und Jeeps wurden zerstört, oder von den
Deutschen erbeutet. General Patton erklärte später, er hätte nicht
genau gewußt, ob sich sein Schwiegersohn im Lager Hammelburg befand. Er
sagte, sein Ziele war es amerikanische Gefangene zu befreien und die
Deutschen über die tatsächliche Angriffsrichtung der Third Army zu
täuschen. In seinen eigenen Memoiren räumte er später ein: "Ich
wage zu behaupten
- daß ich während des gesamten Feldzuges
in Europa nur einen Fehler
begangen habe, als ich es unterlies, ein Combat Command
nach Hammelburg zu schicken."
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2002 © Copyright
Peter Domes - Datum der letzten Änderung:
12.02.10
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